ALTE ZEITEN

Musik: Francisco Canáro
Text: Manuel Romero
(frei übersetzt von Dobri)
Tango 1926

Erinnerst Du dich, Bruder, an die alten Zeiten?
Es waren ganze Kerle, unsere Männer von damals.
Man kannte weder Koks noch Morphium;
die Jungs von damals nutzten keine Haarpomade…
Erinnerst Du dich, Bruder, an die alten Zeiten?
Fünfundzwanzig Frühlinge, die nie zurückkehren werden…
Fünfundzwanzig Frühlinge! Wenn ich sie wieder haben könnte!
Wenn ich daran denke, muß ich weinen…!

Wo sind die Jungs von Damals?
Meine Jugendclique, wo ist sie geblieben?
Du und ich sind nur noch da, Bruder;
Du und ich, um uns erinnern zu können…
Weisst Du noch, die Frauen von Damals,
treue Weiber, mit einem grossen Herzen,
die sich auf den Bällen von “Laura” prügelten,
jede ihre Liebe verteidigend…?

Erinnerst Du dich, Bruder, die blonde Mireya,
die ich dem eitlen Rivera im “Hansen´s” wegschnappte?
Ihretwegen habe ich mir in einer Nacht fast das Leben genommen,
und heute ist sie eine arme, zerlumpte Bettlerin!
Erinnerst Du dich, Bruder, wie schön sie war?
Man stand im Kreis, um sie beim Tanzen zu bewundern!
Wenn ich sie auf der Straße treffe, so alt geworden,
schaue ich weg und breche aus in Tränen…




BLINDER VOGEL

Musik: Antonio Bonavena
Text: Lito Bayardo
(frei übersetzt von Dobri)
Tango

Wie jenes singendes Vögelchen,
deren Augen ihr Licht verloren hatten,
und in seinem goldenen Käfig,
seinen Schmerz besang.
Ich auch, an Deiner Seite,
Deinen Gesang lauschend mich näherte,
und so verführerisch war Dein Lied,
dass ich Dein Gefangener blieb.

Singvögelchen,
wenn Du fort gehen solltest,
ich weiss nicht,
soll ich vergessen,
dass ich Dich gekannt habe.
Ich möchte nicht meinen Schmerz beweinen,
noch an meine unglückliche Liebe denken.

Weil, wer soll Dich so lieben,
so wie ich Dich geliebt habe.
Und wer, wer soll sich um Dich kümmern,
wenn Du so gehst,
ohne Lebewohl zu sagen.




DREI ECKEN

Musik: Angel D’Agostino - Alfredo Atádia
Text: Enrique Cadícamo
(frei übersetzt von Dobri)
Tango (1940)

Ich komme aus dem Viertel „Die Drei Ecken“,
das alte Bollwerk der Vorstadt,
wo die hübschen Mädchen in ihren Schürzen
erblühen wie wie die Glyzinien.
Wo in der milden und ruhigen Nacht
das Geránium sein altmodisches Aroma entfaltet,
und unter einen Vollmond Himmel
die Pferdekarren beim Lagerhaus schlafen.

Ich komme aus der bescheidenen Vorstadt,
ich bin der sentimentale Tango.
Ich komme aus der Vorstadt
wo man seinen Mate trinkt
im Schatten der Weinreben.

An ihren Kreuzwegen lebte ich mit meiner Clique,
kämpfte mit dem Messer um meine wilde Liebe,
und in den Augen einer dunklen Schönheit
sah ich meine Leidenschaft kochen.

Es gibt nicht schöneres und vertrauteres
als meine plätschernde Vorstadt.
Mit dem Tratschen meiner Cousinen
und den Schmeicheleien der Don Juans …
Altes Stadtteil, Fahne meines jugendlichen Draufgängertums.
Ich komme aus der Vorstadt, die abgeschottet lebt
in diesen Zeiten des Neo-Lux* (*der Elektrifizierung)




FESTGEBUNDEN

Musik: Carlos Marchisio
Text: Carmelo Santiago
(frei übersetzt von Dobri)
Tango 1944

Ich irre wie ein unruhiger Schatten
unter der grauen Decke der Kolonnaden,
betrachte mich - und es ist nichts mehr da …
Ich bin wie meine Holzkohlen - Barkasse,
die verlassen, fest geankert, am Ufer liegt.
Ich - wie ein Schiff vor Anker,
festgebunden an meine Vergangenheit,
fühle in meinem Fleisch die Schiffsleinen
wie Haken, wie Klauen.
Ich weine den Tagen hinterher,
die nie zurückkehren werden,
ich träume von den Küssen
die ich nie mehr geben werde.
Ich bin wie meine Holzkohlen - Barkasse,
die am Ufer geblieben ist,
ohne je wieder Segel zu setzen!

Die Küsse, die ich verloren,
als ich ahnte, dass sie mich nicht mehr liebt,
wurden zu Schreck bringenden
Stürmen des Schmerzes.
Heute - ist nichts mehr da …
Ich weiss nur noch, dass ich gelitten,
gefallen und gebetet
vor dem Abgrund des Versagens …
Ich weiss nur, dass Dein Lebewohl,
mit dem Hohn des Schmerzes,
mich bei jedem Schritt begleitet.

Jetzt, wo ich weiss, Du wirst nicht kommen,
wandere ich ziellos durch meine Räume.
Ich suche Mut um fortzugehen;
um mich zu entfernen … um so,
meine Besessenheit vergessend,
fern von Dir, sterben zu können.

Aber… ich lebe festgebunden an meine Vergangenheit.
Die Erinnerung an Dich kettet mich an.
Ich - wie ein Schiff vor Anker,
wissend, dass nur der Tod
meiner Bitterkeit ein Ende bringen kann,
dass nur dann mein Pech aufhören wird.
Ich wandere in rasender Melancholie,
durch die graue kalte Nacht.
Fühle in meinem Fleisch die Schiffsleinen
wie Haken, wie Klauen.
Nichts tröstet mich in dieser grausamen Vernachlässigung.
Ich gehe alleine mit meinem armen Herz.
Ich bin wie meine Holzkohlen - Barkasse,
die am Ufer geblieben ist,
ohne je wieder Segel zu setzen.




GEDULD

Musik: Juan D’Arienzo
Text: Francisco Gorrindo
(frei übersetzt von Dobri)

Gestern Nacht, meine Augen sind Dir wieder begegnet,
gestern Nacht hatte ich Dich wieder an meiner Seite.
Weswegen sollte ich Dich wieder treffen, wenn wir,
schliesslich, bloß zwei in die Vergangenheit
schauende Fremde geworden sind!
Weder Du noch ich sind die Gleichen geblieben …
Die Jahre … Das Leben … Wer weiss was noch …
Ein für allemal vielleicht mit Aufrichtigkeit:
Du und ich werden nie wieder in den gestrigen Tag
zurückkehren können.

Geduld …
so ist das Leben.
Wir kamen zusammen aus reiner Selbstsucht
und die gleiche Selbstsucht offenbart unsere Andersartigkeit.
Wofür heucheln?
Geduld …
so ist das Leben.
Niemand trägt die Schuld, wenn es eine Schuld geben sollte.
Deswegen, die Hand die ich Dir wortlos reichte,
zitterte nicht beim Abschied.

Einigen wir uns dass alles ein Traum war,
dass es eine Lüge gewesen ist, einander zu suchen;
so, gutmutig, bleibt uns der Trost
weiter zu glauben, dass wir uns kaum verändert haben.
Ich habe ein Porträt aus jenen zwanzig Jahren,
als du die liebgewordene Sonne unseres Viertels wars.
Ich möchte dich schön wie damals sehen,
was gestern geschehen - war bloss ein Traum.




GLOCKENSPIEL VON LA MERCED

Musik: E.S.Discépolo
Text: E.S.Discépolo / Alfredo Le Pera
(frei übersetzt von Dobri)
Tango 1931

Ich weiss nicht, durch welche
Laune des Schicksals ich Dich fand,
Glockenspiel von Santiago,
in der Kirche La Merced,
mit Deiner unerschütterlichen Stimme,
die Stimme meiner Unruhe,
Unruhe eines unverbesserlichen Wanderers,
der das Vergessen sucht …

Wunder der Wallfahrer,
aus Schmerz emporgestiegen,
dein Lied, sowie ich,
ist des Lebens müde
und klingt weiter, ohne zu wissen,
wo es Ruhe finden wird …

Du hast das Geheimnis
meines Herzens entlockt,
als ich beim Hören Deines Liedes,
ihren Namen ungewollt ausrief.
Und nun weisst Du -
wer sie war und wer sie wurde,
die, die ich weinend suche,
und… nie finden werde!

Meine alte Beichte
überlasse ich Dir, Glockenspiel.
Sie wird in deinen Glocken weiterklingen.




IM LAUFE DER JAHRE

Musik : Pedro Maffia
Text : Homero Manzi
(frei übersetzt von Dobri)
Tango 1934

Ich werde Dich nie wieder des Abends begegnen,
Dein Lied ist in mein Schicksal abgeklungen,
und in der Kreuzung von müde gewordenen Wege
verlässt Dein weiblicher Antlitz.
Treue Verlobte, die ohne Tragödien ging,
Grauer Schatten, das ohne Vorwürfe entstand.
Ich habe Dir, ohne Hintergedanken, tausend Lieben Vorgegaukelt.
Um Dich, anschliessend, schmerzlos zu vergessen.

Dein Leben ist in meine Erinnerung eine verwelkte Blume.
Wie eine alte Postkarte, mit in Vergessenheit geratenen Absender,
Die Erinnerung an Dich erstaunt mich, der Klang Deines namens ist mir Fremd
Deine Anwesenheit schmerzt mich nicht, ich weiss nicht mal,
wann unser Abschied kam.
Ich weiss nicht mehr warum Du in mein Leben aufgetaucht bist,
noch weiss ich, weswegen Du fortgegangen.
Noch weiss ich, ob Du mich belogen hast, so wie ich Dich belog.
Zurück aus der Vergessenheit, die Bilder kommen verschwommen,
wie ein altes Porträt, verloren gegangen in eine alten Kiste.

Du wirst für immer meine Verlobte bleiben,
Frauenzimmer voll der Liebe und des Betrugs,
und durch den Schmerz der Jahre,
grauer Schatten meiner Illusionen.
Und vielleicht andre Lippen schwören Dir,
ohne Hintergedanken, tausend falsche Versprechen,
nur um Dich später dem Leben zu überlassen,
mit seiner ewigen Hoffnung auf Liebe.




JUNGE

Musik: Edgardo Donato
Text: Celedonio Flores
(frei übersetzt von Dobri)
Tango 1926

Junge,
der von Schicksals Gnaden,
das erste Stockwerk
eines zentral gelegenen Palais bewohnt,
der für Sünden und Vergnügen,
für Partys und Frauen
über ein Etat verfügt.

Junge,
der den Zauber nicht kennt,
eine Träne verloren zu haben,
angelehnt an eine Frauenbrust;
nicht weiss wie es ist,
in einem Spiel alles zu verlieren,
die Fassung zu behalten, um dann zurückzukehren;

Du,
der sagt, dass ein halbgekonnter Tango
dich nicht aus der Ruhe bringt,
noch weint Deine Seele, wenn das Bandoneon klingt;
wenn Du ein Gefühl haben solltest,
ist es gut eingeschlafen,
denn alles was Du hast, ist das,
wofür Du bezahlt hast wie ein Trottel.

Sag mir,
ob in Deinem eitlen Leben,
im Mondlicht stehend,
oder auch unter einer Straßenlaterne,
Du dich nicht als Dichter fühltest,
als Du einem Mädchen sagtest,
sie sei hübscher als die Sonne.

Sag mir,
kennst Du die Harmonie,
die süße Vielfarbigkeit
der Vorstadt Abende,
als die Fabrikmädchen vorbeiliefen,
verführerisch und verspielt
unter den rasselnden Kleidern…




KEINE ANDERE

Musik: Raúl Fernández Siro
Text: Homero Manzi
(frei übersetzt von Dobri)
Tango 1942

Diese Tore öffneten sich für Deine Schritte.
Dieses Klavier erbebte mit Deinen Liedern.
Dieser Tisch, dieser Wandspiegel und diese Bilder
bewahren den Widerhall Deiner Stimme.

Es ist so traurig, zwischen Erinnerungen zu leben!
Es ist so aufreibend,
das Flüstern des sanften Regens zu hören,
der der Zeit nachweint,
und dem, was das Herz einst begehrte …!

Es wird keine andere geben,
keine die den Vergleich standhält,
keine mit Deiner Haut, noch mit Deiner Stimme,
deine Haut, vom Mond angefeuchtete Magnolie,
deine Stimme, ein Flüstern, das die Liebe besänftigte.
Es wird keine andere geben, alle starben,
in dem Augenblick, als Du Deinen Abschied nahmst.

Wenn ich mich bemühe,
die Vergangenheit hinter mir zu lassen,
“Es hat keinen Zweck ..” sagt mir mein Herz.
Dieser Tisch, dieser Wandspiegel und diese Bilder
beherbergen den Widerhall Deiner Stimme.
Im blauen Notizheft sind die Verse,
die Deine Abwesenheit mit Einsamkeit bezogen.
Es ist die traurige Asche der Erinnerungen,
bloß Asche, nichts weiter …




LEBE WOHL BUENOS AIRES

Musik: Rodolfo Sciammarella
Text: Leopoldo Torres Ríos
(frei übersetzt von Dobri)
Tango

Ich muss mich von meinem geliebten Land entfernen,
ich muss fort, mit blutendem Herzen,
wie der Dichter sagte, beim Abschied,
Lebewohl Buenos Aires, Freunde lebt wohl.

Porteño Nächte, Botschafter meines Glückes,
stumme Zeugen heute, von meinem Schmerz,
jede Straßenecke bringt mir eine Erinnerung,
alles, alles erzählt von vergangenen Lieben.

Ich weiss nicht, welche Richtung meine Schritte nehmen werden,
weit weg von diesem Land führt mich das Schicksal,
ich trage meine Seele voll des Schmerzes und des Versagens,
das ich gerne unterwegs vergessen würde.

Und wenn in den dichten Nebel Londons,
oder in den höllischen Lärm New Yorks,
ich es schaffen sollte, dieses versteckte Leid loszuwerden,
Lebewohl Buenos Aires, Freunde lebt wohl.




OHRFEIGEN

Musik: José Razzano
Text: Enrique Maroni
(frei übersetzt von Dobri)
Milonga 1930

Die Moneten haben dein Herz erobert,
deine Standhaftigkeit ist dahin.
Die bösen Lichter der Stadt
haben dich ins Fettnäpfchen treten lassen.
Nichts tangiert dich, du Undankbare,
alles ist dir Schnuppe.
Der Selbstdarstellungsdrang
hat deine Seele der Vergessenheit preisgegeben.
Und jetzt wo Du auch noch unter der Haube stehst,
was man alles aushalten muss …

Schätzchen, ich muss über dich schmunzeln,
über deinen neuen bürgerlichen Stand.
Du hast einen Trottel den Kopf verdreht,
an deine edle Abstammung zu glauben.
Du bist die kleine Pancratia,
Tochter des schlecht gewachsenen Gerarto,
ein vertrockneter Alter,
der in La Boca schuften ging.
Weiss du nicht mehr,
du größenwahnsinnig gewordene „Gringa“
wo Du hergekommen bist …

Jetzt lässt du dich mit einem schicken Schlitten kutschieren,
trägst edle Pelze,
und hast einen Unglücklichen,
der in Französisch plaudert.
Was tust du bloß, was tust du,
„Gnädige“ Frau Clisolda Valle,
wenn du deine Allüren ausfährst,
mit deinen ausgemergelten Schultern.
Ich muss mich zusammenreißen,
dir nicht eine Ohrfeige zu verpassen,
sonst klappst du noch zusammen …

Madam, das muss man erleben,
deine Familien - Oberhaupt - Ansprüche,
falls Du dich noch an Ramona erinnerst,
vielleicht zählst du ihr die noch ausstehende Miete?
Mach’ dich nicht lächerlich, mit deiner Geldverschwendung,
Werde ein bisschen bescheidener, Schätzchen,
Du bist ja mehr en vogue,
als der Tango La Cumparsita …




PECH GEHABT

Musik: Francisco Lomuto
Text: Francisco Gorrindo
(frei übersetzt von Dobri)
Tango 1939

Unsere Liebschaft ist zu Ende, sagtest Du mit kalter Stimme,
ich dachte in meinem Inneren, vielleicht hast Du Recht,
dachte ich und liess Dich alleine, alleine und Herrin Deines Schicksals,
währenddessen ich mit meinem Gewissen verspielte mein Herz.

Ich schloss fest die Augen, presste fest meine Lippen.
um Dich nicht zu sehen, um Dich nicht zu sprechen,
um nicht zu schreien Lebewohl,
und langsam ging ich zur Bar an der Ecke
um mit vier Gläsern das zu ertrinken,
was Deine Liebe hätte sein können.

Ich konnte Dir nicht versprechen,
meinen Lebensstil zu ändern,
als Habenichts bin ich geboren und als Habenichts werde ich sterben.
Mich zieht es zum Nachtleben,
in das Cafe, zu meiner Clique,
und wo es eine Milonga gibt,
da darf ich nicht fehlen.

Du weisst nur allzu gut, wie ich bin, und wie ich denke,
kennst meine wilde Unruhe, meinen Drang zur Strasse.
Pech gehabt, wenn ich Dich heute verliere,
Pech gehabt, wenn ich alleine gehe,
die Schuld trage ich gänzlich allein, da ich mich nicht zu ändern vermag.

Da ich weiss, mein Leben ist kein Vorbild gewesen,
denn der, der eine Zuneigung, eine Liebe empfängt,
sollte es auch erwidern, und ich bin wie der Stieglitz,
der auch in einem goldenen Käfig,
immer noch in seinem Lied die Sehnsucht zum Fliegen beweint …

Ich habe somit Pech gehabt, aber, ehrlich gesagt,
bleibe ich Dir dankbar, Du warst Geliebte und Frau;
wenn das Leben mich eines Tages mit Herausforderungen überziehen sollte,
sei Dir sicher, ich werde mich an Dich erinnern!




RÜCKBESINNUNG

Musik de Mario Melfi
Text Mario Battistella
(frei übersetzt von Dobri)
Tango

Wie ewig lang die Wochen,
wenn Du nicht bei mir bist …!
Welche übermenschliche Kraft
gibt mir einen Wert, weit weg von Dir?
Das Licht meiner Hoffnung ist erloschen,
ich bin wie ein Schiffbrüchiger im Meer;
ich weiss, ich verliere mich in der Ferne,
und doch mag ich nicht aufgeben …

Wie traurig ist es, sich zu erinnern,
nach all der Liebe,
an unsere vergangene Glückseligkeit!
In unserer warmen rosafarbenen Kammer
ist alles wie gehabt;
In jeder Verzierung, in jedem Gegenstand,
sehe ich Dich, als wäre es gestern …
Dein Antlitz, gerahmt auf dem kleinen Tisch,
ist Zeuge unserer Liebe,
und die Hortensie, inzwischen ausgetrocknet,
die das Lied meines Schmerzens war …
Blüte einer Illusion,
unsere Leidenschaft
ist verwelkt.
Ach, vergiss meine Überheblichkeit;
kehre zurück mein süsses Glück,
zu unserer Liebe!
Und unsere Leidenschaft
wird wieder erblühen
wie jene Blüte.




SO TANZT MAN DEN TANGO

Musik: Elías Randal
Text: Marvil (Elizardo Martínez Vilas)
(frei übersetzt von Dobri)
Tango 1942

Was wissen schon die Muttersöhnchen, die Eingebildeten und Lackaffen!
Was verstehen sie schon vom Tango, was wissen sie vom Taktschlag!

Hier ist die Eleganz. Welch` eine Erscheinung! Welch eine Silouette! Was für eine Haltung! Welche Arroganz! Was für eine Tanzklasse!

So schneidet man die Rasenfläche beim Zeichnen der Achter, bei den Verzierungen bin ich wie ein Künstler.

Jetzt ein Corrida, eine Drehung, eine Sentada …
So tanzt man den Tango, ein Tango nach meinem Geschmack!

So tanzt man den Tango,
Du spürst in deinem Gesicht,
wie dein Blut steigt,
mit jedem nächsten Takt,
während Dein Arm,
wie eine Schlange,
die Taille umringt,
die fast bricht.
So tanzt man den Tango,
unser Atem vermischt sich,
mit geschlossenen Augen,
um besser zu hören,
wie die Violinen,
dem Bandoneon erzählen,
warum nach besagter Nacht,
Malena nie mehr sang.

Ist es eine Frau oder eine Binse, wenn sie plötzlich stehenbleibt?
Ist es eine Triebfeder oder eine Leine, die ihre Füße in Bewegung setzt?
Sicher ist, sie ist ein Biest, das mich beim Tanzen
in den Wahnsinn treibt.
Manchmal frage ich mich, ob es mein Schatten ist,
der mir immer nachstellt, oder ein willenloses Wesen.
Doch die Wahrheit ist, sie ist so geboren, für die Milonga
und wie ich, stirbt sie, stirbt sie für den Tanz!




SUSANITA

Musik: Enrique Alessio
Text: Reinaldo Yiso
(frei übersetzt von Dobri)
Tango 1957

Die Liebe, die uns vereinte, meine liebe Susanita,
in jenem Ballsaal in jener Nacht für immer ihr Ende fand,
als “El Chiche”, Petitero*, der jünge Brüder von Cholita,
ohne ein Grusswort zu sagen, dich zum Rock tanzen aufforderte…
Als ich sah wie er dich warf nach unten und nach oben,
bin ich so ausgerastet, da ich blind wurde vor Wut,
ich bekam fünf Tage Haft fürs Stören der öffentlichen Ordnung
Als du weiter, weiss du noch?, Rock and Roll getanzt hast…

Susanita,
du weisst wie ich dich begehrt habe,
du weisst wie ich gestorben bin,
für den Ruhm deiner Liebe.
Hej, Mädchen,
du bist “Petitera” geworden,
du, wo du so “Tanguera” warst.
Tu mir diesen Verrat nicht an,
Susanita…
Für dich werde ich ein Ungehobelter sein!
Ich bleibe mit den Tango.
Und du bleib mit den Rock…

Wie kannst du dich für diesen Wahnsinn entscheiden…
Hör dir diesen Tango an und dann kannst du mir etwas erzählen;
für mich ist dies kein Tanz, eher eine Unverschämtheit!
Merkwurdige Mischung zwischen Akrobatik und Ringen…
Noch hast du die Zeit dich zu retten, Susanita,
ich werde dich besuchen, um dir die Gelegenheit zu verschaffen,
auf deinem Gramofon den Tango “La Cumparsita” zu hören,
als letzter Versuch, dein Herz erneut zu gewinnen.

*(pop.) junger, gut betuchter Stammgast des “in” locals “Petit Cafe” (existiert nicht mehr).




SEELE

Musik: Federico Scorticati
Text: Juan Sarcione
(frei übersetzt von Dobri)
Tango 1932

Seele, die beim Durchkreuzen des Lebens
sich so sicher war,
eine Liebe zu finden;
Seele, die hochmutig davon träumte,
einem Morgen entgegen zu schauen,
voll des Glückes und des Glanzes.
Seele, dessen sanftes Gurren
eines Vogeltraums,
sich in Schmerz verwandelte;
Seele, verzweifle niemals,
denn, falls Du sterben solltest,
würde es mein Herz brechen.

Und in der Röte des Abendhimmels
wollte ich mit Deiner Seele eins werden.
Da ich Dich liebte, mein süßer Schatz!
Es war ein vergeblicher Traum …
Ein bitteres Erwachen …
Denn, bei der Geburt dieser Liebe
habe ich nur die Seelenruhe verloren,
ich werde den Zauber Deines Blickes
nie wieder vergessen können.

Das Schicksal hat mich,
ohne Erbarmen,
an Deine Trostlosigkeit gebunden,
heut wandert meine bestrafte Seele
in den Schiffswrack meiner Sehnsüchte …
Und mein Lied
trägt die Vergebung
für die, die zur Despotin wurde,
und möge Gott Dir die weissen Schläfen
mit Glück ohnegleichen krönen …




WAS TUST DU, WAS TUST DU!

Musik: Jo Di Clemente
Text: Jesús Fernández Blanco
(frei übersetzt von Dobri)
Tango 1933

Was tust Du, was tust Du!
Du bist plötzlich stehen geblieben,
und möchtest nichts mehr wissen,
von Deinen Freunden von gestern …!

Könnte es sein, dass Dein Chef fahrlässig geworden ist,
oder ist Dir etwa eine Erbschaft zu Kopf gestiegen?

Was tust Du, was tust Du!
Deine alte Clique kennst Du nicht mehr,
und denkst, dass Du Mami´s Lieblingssöhnchen bist.

Was für ein Anblick,
wenn man Dir in der Nachbarschaft hinterher ruft:
“Lebewohl Navarro, was tust Du bloß …”

Angesichts der vier Groschen, die Du verdient hast,
ist Dein Grössenwahn nicht zu übertreffen …
Du denkst, Du bist ein Volksvertreter -
dabei bist Du bloß ein eitel gekleideter Narr …

Wegen dieser wahnsinnigen Allüren,
hast Du sogar Deine Namen geändert …
Du heisst nicht mehr Perez Gilines! Jetzt bist Du Nito Anchorena Unze!
Was tust Du, was tust Du,
hinter Deiner Fassade eines Freiers!

Bist so eitel geworden,
dass Du dir sogar die Maniküre machen lässt…-
Obwohl wir alle wissen,
wie Du in fettigen Arbeitsklamotten
als Strassenverkäufer schuftest.

Was tust Du, was tust Du!
Anstatt “Ciao” sagst Du “Good night”!
Und die Mädels nennst Du “Mademoiselle”
Was für ein Anblick, Alter,
wenn irgendein Mädchen zu Dir sagt:
“Adios Mojica, was tust Du bloß!”